Achtung Suchtgefahr: Schuhe von Moma
Italian Shoes - Always in Syle!

Normalerweise sind es ja Frauen, die einen Schuhtick haben. Das ist einer der Gründe, weshalb ich Frauen liebe. Ich bin nämlich im gleichen Spital krank wie sie: schuhsüchtig. Unheilbar. Und das schon lange. Wie es anfing? Ich glaube, als Kind in Italien, in Rom, als ich meinen Onkel besuchte und wir Schuhe kaufen gingen.
Ich konnte mich im Geschäft nicht zwischen zwei Paaren entscheiden. Mein Onkel verhandelte einen guten Preis für das eine Paar, mit dem wir dann nach Hause gingen. Aber ich hatte noch das andere im Kopf und weil mein Onkel das eine runtergehandelt hatte, blieb mir noch genug Geld für das andere. Am nächsten Tag ging ich darum alleine in den Schuhladen zurück und kaufte beim verschmitzt lächelnden Schuhhändler auch das zweite Paar. Ohne Prozente – aber das war mir egal.
Als ich am Abend stolz meinem Onkel die Schuhe zeigte, krauste sich seine Stirn. Irgendwie merkte ich, dass er nicht verstand, was mit mir los, ja, was in mich gefahren war. Als er den Preis hörte, den ich bezahlt hatte, schlug er sich gegen die Stirn. Unruhig fing er an, im Zimmer auf und ab zu gehen. Emotionen, Italien eben. Was dann geschah, war quasi mein Genickschuss: Mein Onkel fragte mich, wie viel Feriengeld ich noch übrig hätte. Nun, es war zwei Tage vor meiner Abreise und ich hatte alles perfekt geplant und ausgerechnet, mein Geld effizient in Italienische Schuhe investiert: Ich hatte keine Lire mehr. Ich brauchte ja nur noch in den Zug zu steigen und nach Hause zu fahren. Ja ob ich denn verrückt sei? fragte mein Onkel. Ja, nach Schuhen – dachte ich bei mir, blickte aber nur stumm auf den Boden. Mein Onkel erklärte mir klar, laut (!) und deutlich, dass man eine Reise, auch eine Rückreise, und gerade in Italien, nie ohne Geld antreten dürfe. Es könne so Vieles passieren. Was folgte waren Beispiele, selbst Erlebtes und sicher auch anderes, an dessen Wahrheit ich nicht zweifelte. Immerhin konnte ich meinen Onkel trotzdem davon abbringen, das zweite Paar Schuhe wieder ins Geschäft zurückzubringen. Und er steckte mir zwei Tage später, bevor ich in den Zug stieg, etwas Geld zu. Für die Rückreise.
Soft like butter – fits like a glove
Ich bereute nie, beide Paar Schuhe gekauft zu haben. Sie waren weich wie Butter und ich konnte darin nach meinen Ferien dynamisch und geschmeidig wie ein Panter die Schulgänge entlang laufen, den Neid meiner Mitschüler auf mich ziehend. Schuhe hatten von nun am etwas Mystisches für mich. Sie waren meine geliebte Verbindung zur Erde.
Später gefielen mir eine zeitlang Pferdelederschuhe. Ich mochte den Glanz. Und ich mochte es, wenn die Schuhe zum Essen passten. Ich liebe Pferdesteaks.
Heute sind die wahren Luxustreter für mich Schuhe von Moma. Ja, richtig Moma. Morrovalle (Provinz Mecerata), nicht New York. Hat mit dem Museum of Modern Art nichts zu tun. Mit Kunst schon. Handgemacht, Rahmen genäht. Wunderschön. Von Anfang an bequem. Bei mir in Grösse 42 wie angegossen – ein Massschuh könnte nicht besser sitzen. Fits like a glove.
Kein perfekter Schuh
Das bestechende an Moma ist, dass sie unspiessig sind. Viele Modelle sehen aus, als hätte sie schon jemand getragen, in Würde altern lassen. Nicht der Butler, sondern ein guter Freund. Oder ein stilsicherer Architekt, der mit den Schuhen auf der Baustelle war, wo sie ein paar Zement-Spritzer abbekommen haben. Gerade das macht Momaschuhe aus, diese getragene Nonchalence. Und die gilt es zu kultivieren.
Anfassen? Nur zum An- und Ausziehen
Ein Moma wird erst mit dem Alter so richtig schön. Man darf ihn weder putzen noch pflegen. Schuhcreme verboten. Sonst wirkt er spiessig. Momas haben genügend Eigenfett im Leder, sodass sie keine Nahrung brauchen. Salzränder sind cool, egal ob man sie sich bei urbanen Winterspaziergängen erarbeitet oder vom Spritzwasser auf der Yacht geschenkt bekommen hat. Genau wie Männergesichter bekommen sie keine Falten, sondern Linien. Linien, die Geschichten erzählen. Ich danke jedem, der mir an einem Rockkonzert auf meine neuen Momas steht oder mir Bier darüber schüttet. Dieser Schuh entspannt in vieler Hinsicht.
Moma-Schuhe haben nur einen Nachteil. Sie machen süchtig. Einmal Moma, immer Moma
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Aktualisiert (Donnerstag, den 04. März 2010 um 09:41 Uhr)